OEKUMENISCHES FORUM CHRISTLICHER FRAUEN IN
EUROPA
4. Ökologische Sommerschule, 16. – 23. 9.
2007, Berlin (Woltersdorf)
20 Frauen aus fünf
europäischen Ländern und fünf Kirchen
haben sich in Woltersdorf bei Berlin getroffen, um gemeinsam das Thema „Frauen
und Energie“ zu bearbeiten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerinnen war aus
Weißrussland angereist. Die Verständigung in deutscher, englischer und
russischer Sprache war problemlos dank guter Sprachkenntnisse und konsekutiver
Übersetzung, die sich wieder sehr bewährt hat.

Die Hintergründe der Frauen
und ihr Zugang zum Thema waren sehr unterschiedlich: Sie kamen aus Ländern, die
der Atomkraft positiv bis neutral (Großbritannien, Rumänien, Slowakei) oder
skeptisch (Deutschland) gegenüberstehen, oder im Fall Belarus aus einem Land,
in dem die Folgen eines Reaktorunfalls sich immer noch negativ auswirken. Auf
diese Folgen in ihrem persönlichen Leben sind einige belarussische
Teilnehmerinnen in der Vorstellungsrunde eingegangen. Alternative Energieformen
spielen, wenn sie überhaupt genutzt werden, in allen Herkunftsländern eine
untergeordnete Rolle.

Am Anfang der Sommerschule
stand eine zusammenfassende Darstellung der Problematik: Der Klimawandel als
Folge der Nutzung fossiler Brennstoffe (zusätzliches Kohlendioxyd gerät in die
Atmosphäre) ist inzwischen unbestritten. Konsequenzen sind eine Zunahme
extremer Klimaereignisse wie Hitzewellen, Stürme und Überschwemmungen.

Möglichkeiten im
öffentlichen und privaten Bereich, die Ursachen des Klimawandels anzugehen,
wurden diskutiert. Eine Möglichkeit ist das Einsparen von Energie, eine zweite
der Einsatz alternativer Energieformen. Eine Bewertung dieser Energieformen
zeigt jedoch, dass nicht alle für eine nachhaltige Nutzung geeignet sind. Auf
eine dritte Möglichkeit, den Einsatz von Atomkraft, möchten wir verzichten, da
Atomkraft riskant, teuer und unökonomisch ist, es bessere Methoden gibt,
Kohlendioxyd einzusparen, die Uranvorräte begrenzt sind und das Problem der
Abfallentsorgung nach wie vor ungeklärt ist.

Nach dieser Lerneinheit zu
Beginn, die wir selbst bestritten haben, wurde das Gespräch gesucht. Unser
erster Besuch im Parlament galt Sylvia Kotting-Uhl MdB, umweltpolitische
Sprecherin der GRÜNEN, ebenfalls anwesend waren Brigitte Dahlbender, stellvertretende
Vorsitzende im BUND und Lutz Mez, Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien
Universität Berlin. Ein zweites Gespräch fand mit Florian Toncar MdB (FDP)
statt, der u. a. auch Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre
Hilfe ist. Die Energiekonzepte der GRÜNEN und der FDP unterscheiden sich fundamental
voneinander. Die GRÜNEN fordern einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie,
während die FDP es für notwendig hält, jetzt eingerichteten Atomkraftwerken 50
Jahre Laufzeit zu gewähren, also längstens bis 2035.

Lutz Mez hält das Argument,
Atomkraft sei unersetzlich, für nicht stichhaltig. Selbst in Frankreich, wo
massiv auf Atomkraft gesetzt würde, würden nur 17% der Gesamtenergie in
Atomkraftwerken produziert, in
Deutschland und Großbritannien seien es 6%. Viel Übereinstimmung mit unseren
eigenen Diskussionen fanden wir bei Brigitte Dahlbender und der
Lebensstil-Debatte des BUND. Florian Toncar hat Hilfe zugesagt, wenn Frauen aus
Belarus ihr „Recht auf Gesundheit“ einfordern oder Aufklärungsarbeit leisten
wollen.


Inspirierend war der Beitrag
Elisabeth Raisers zum Thema „Frauen als Mitschöpferinnen und Haushalterinnen“.
Woher nehmen wir die Kraft, uns zum Thema einzumischen? Und wie können wir die
Auseinandersetzungen bestehen? Argumente müssten klar formuliert und unser
eigenes Verhalten glaubwürdig sein, gab sie uns mit auf den Weg.
Die Praxis nahe gebracht hat
uns ein Ausflug auf einen Hof bei Prenzlau, wo aus Solar-, Wind- und
Biogas-Anlagen Energie produziert wird. Eine Energiewende erscheint nicht nur
erstrebenswert, sondern auch möglich zu
sein.
Wichtige Impulse für unsere
Motivation, gemeinsam zu lernen und zu arbeiten, waren die Meditationen am
Anfang und am Ende jeden Tages, zu Ruhe und Entspannung verholfen hat ein Abend
mit meditativem Tanz. Ein wenig Zeit in Prenzlau und einige Sehenswürdigkeiten
in Berlin, allen voran die Reichstagskuppel, haben dafür gesorgt, dass die
touristische Neugier der Gäste auch zu ihrem Recht kam.

Eine Auswertungsrunde am
Ende hat gezeigt, dass die Teilnehmerinnen die Sommerschule als sehr
konstruktiv erlebt haben. Die Belarussinnen möchten das, was sie hier erfahren
haben, weitergeben und dazu die geknüpften Kontakte nutzen. Außerdem haben die
Teilnehmerinnen der Sommerschule beschlossen, einen Brief an die Versammlung
der Nationalkoordinatorinnen zu richten mit dem Antrag, das Ökumenische Forum
Christlicher Frauen in Europa möge Klimawandel, Energieverbrauch und
nachhaltiges Handeln verstärkt zu Arbeitsthemen zu machen.
Elisabeth Buecking
und Dorothy Knights