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Über 150 christliche Frauen aus 27 Ländern Europas mit unterschiedlichem nationalen, ethnischen, kulturellen und konfessionellen Hintergrund trafen sich vom 21.-27. August 2006 in Murten, Schweiz, zur VII. Generalversammlung des ÖFCFE.
Als Delegierte, Mitarbeiterinnen, Stewards und Gäste nahmen 16 Frauen aus Deutschland an der Generalversammlung teil .
Einstimmig wird zum Abschluss der Konferenz die folgende Botschaft angenommen:
1. Vereint in unserer gemeinsamen Nachfolge Christi und in unseren Bemühungen, eine Zukunft für Europa zu bauen, wollen wir die besten Traditionen der Solidarität, des Mitleidens, der Freiheit und Gleichheit aufrechterhalten. Deshalb geht unsere Einladung an Frauen aus allen Ländern, die guten Willens sind und die, von welchem Hintergrund aus auch immer, in diesem Bemühen mit uns zusammen arbeiten wollen. Unser Ziel ist ein gerechtes und inklusives Europa, in dem jeder Mensch einen Platz hat.
Wir schätzen das reiche Erbe Europas als Heimat unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und religiöser Traditionen. Das Öffnen der Grenzen unserer Länder, so wie die Erweiterung der Europäischen Union im Jahr 2004 förderte das Näherrücken verschiedener Kulturen und Traditionen und bestärkte unser Zugehörigkeitsgefühl zu einem europäischen Gemeinwesen. Gleichzeitig schauen wir mit Besorgnis auf die zunehmende Polarisierung zwischen unterschiedlichen Gruppierungen und auf die Tendenz, neue Mauern innerhalb und um Europa aufzubauen.
2. Als christliche Frauen und Bürgerinnen Europas sind wir tief besorgt über die vielen erschöpften, verarmten und gefährdeten Menschen, die an den Ufern unseres Kontinents landen, um hier eine Zukunft zu suchen. Wir sehen die Migrationsbewegungen aus den armen in die reichen Länder innerhalb Europas im Kontext globaler wirtschaftlicher Entwicklungen, die zu einer immer größer werdenden Kluft zwischen reich und arm sowohl zwischen den Ländern als auch innerhalb der reichen Länder führt. Aus Armut verlassen Frauen und Männer ihre Heimatländer – so wie dies Europäer Jahrhunderte lang getan haben – und emigrieren auf der Suche nach Arbeit und Lebensunterhalt. Dabei enden sie oft in Bedingungen, die fast einer Sklaverei gleichkommen. Wir erkennen, dass Frauen hier besonders gefährdet und verletzbar sind.
Wir sehen, dass die Anwesenheit einer größeren Zahl von Migranten aus anderen Kulturen und Religionen in europäischen Ländern eine Quelle tiefer Angst für viele Menschen darstellt. Dies führt zu Spannungen zwischen Mehrheitskulturen und verschiedenen Minderheiten und wird als Bedrohung unserer jeweiligen europäischen Identität angesehen. Wir glauben, dass eine strengere Gesetzgebung zur Bekämpfung dieser Angst – wie sie zurzeit in verschiedenen europäischen Ländern eingeführt wird – nicht die Antwort ist. Der Dialog ist der einzige Weg!
Europäer vergessen gerne, dass ihre Werte, allem voran allein schon das Gedankengut der Menschenrechte, in langen historischen Kämpfen geschmiedet worden sind, damit Anderssein anerkannt wird. Unser „wir“ an sich ist eine Fiktion. Es gibt keine homogene europäische Kultur. – In allen Ländern Europas war dieses „wir“ immer ein Konglomerat an Vielfältigkeiten.
3. Europa gehört uns nicht. Als christliche Frauen bezeugen wir, dass die Erde Gott gehört und uns nur anvertraut ist. Alle Menschen sind nach Gottes Bild geschaffen. Wenn wir „wir“ sagen, so führt dies dazu, „sie“ zu sagen und damit dazu, andere auszuschließen, die auch Gottes geliebte Geschöpfe sind. Wir sind dazu aufgerufen, den Begriff der einfachen Zugehörigkeit zu einem exklusiven „wir“ zu hinterfragen, uns zu öffnen und der Möglichkeit Raum zu geben, unsere jeweilige Identität auf neue Weise zu formen: „Das ist Liebe, nicht als Gefühl, sondern als tiefer Widerstand gegen alles, das Menschen Gewalt antut, das sie erniedrigt und entwürdigt.“
In unsere sich neu bildende jeweilige Identität bringen wir einen tiefen Respekt für die/den andere/n als Menschen ein, so wie ein starkes Engagement für die Menschenrechte. Wir sind uns bewusst, dass eine Veränderung bei uns selbst beginnen sollte. Auf dieser Reise brauchen wir spirituellen Beistand und ein Netzwerk an Solidarität untereinander. Als christliche Frauen können wir unsere gemeinsame Basis auf der Kontinuität unserer biblischen Traditionen aufbauen, die im liturgischen Leben unserer Gemeinden lebendig sind. Wir verpflichten uns, unser Wissen über das theologische Denken, über die liturgischen Praktiken und das kirchliche Leben der jeweils anderen zu vertiefen.
4. Von Anfang an hat sich das ÖFCFE als Instrument des Brückenbauens, so wie als Beitrag zu einer Friedenskultur in Europa verstanden. Wir sind darüber besorgt, dass einige Länder zurzeit in Nachkriegswirren leben – wie Tschetschenien – oder unter diktatorischen Bedingungen – wie Weißrussland. Sicherheit und Menschenrechte sind dort nicht garantiert und die menschlichen Beziehungen angespannt. Wir verpflichten uns, Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen (indem wir entsprechende Arbeiten unterstützen wie die Bemühungen der Gesellschaft für bedrohte Völker), so wie Bestrebungen in der Zivilgesellschaft zu stärken. Wir erklären uns solidarisch mit allen die leiden, im Besonderen mit Frauen, die an den Folgen ihres Engagements für den Frieden leiden, und wir beten für sie.
Wir unterstützen auch Friedensarbeit besonders in jenen europäischen Ländern, die immer noch im Krieg mit Irak durch militärische Hilfe oder durch Präsenz von Truppen und technischem Personal verwickelt sind.
Frieden ist ein langer Prozess des Wiederaufbauens von Beziehungen und des Schaffens von gerechten Bedingungen zum Leben miteinander. Zahllose Frauen nehmen an diesem Prozess an vielen Ebenen teil. Unsere besondere Unterstützung gilt der Initiative „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis“. - Sie macht die Friedensarbeit der Frauen sichtbar. – Den Organisatorinnen empfehlen wir dringend, die Nominierung nochmals vor das Nobelpreiskomitee zu bringen.
5. Wir empfehlen alle Initiativen zu Dialogen zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens und Menschen ohne Glauben. Wir ermutigen alle Experimente, um gutes nachbarliches Zusammenleben, „convivencia“, zu fördern. Wir bestätigen die Rechte und Pflichten religiöser Minderheiten, darunter auch das Recht, ihre eigenen Gebäude zu haben. Wir empfehlen das Engagement des Forums zum interreligiösen Dialog auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene, so wie durch seine Partnerschaft mit dem Europäischen Projekt für Interreligiöses Lernen (EPIL).
6. Wir unterstützen in Worten und Taten die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt und alle Bemühungen, diese konkret umzusetzen. Häusliche Gewalt, die auch in christlichen Familien geschieht, ist nicht akzeptabel.
Das ÖFCFE unterstützt auch alle Bestrebungen, Zwangsprostitution und den Handel von Frauen und Kindern zu stoppen. In dieser Arbeit bauen wir auf bereits bestehende Initiativen, wie die deutsche Kampagne zum Stopp von Zwangsprostitution. Wir fordern unsere Kirchen dringend auf, dasselbe zu tun.
7. Als christliche Frauen bedauern wir die Tatsache, dass den Frauen- und Gleichstellungsfragen nicht mehr die Priorität zugemessen wird, die sie während der Ökumenischen Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ hatten. Wir bedauern auch, dass der dadurch bereits erzielte Fortschritt nun unterminiert wird. Mit besonderer Besorgnis sehen wir, dass die Reformierte Kirche in der Ukraine und die Lutherische Kirche in Lettland und Litauen die Ordination von Frauen nicht mehr duldet und somit eine lang bestehende Praxis unter den reformierten Kirchen abschafften. Wir schließen uns mit Nachdruck all jenen an, die diese Kirchen dringend auffordern, diese Entscheidung wieder rückgängig zu machen.
In vielen Kirchen verschwinden die Referate für Frauenarbeit und Frauenfragen werden somit auf die lange Bank geschoben. Wir sind enttäuscht, dass die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) es nicht zustande gebracht hat, die Arbeit des Frauenreferats seit 2005 weiter aufrecht zu erhalten. Die Gleichstellungspolitik, die von der KEK und anderen ökumenischen Organisationen angestrebt worden ist, braucht starke Unterstützung und Überwachung, wenn sie tatsächlich angewandt werden soll.
Wir fordern, dass unsere Kirchen ihrer in der Charta Oecumenica festgelegten Verpflichtung
nachkommen: Dass sie „ die Stellung und gleichen Rechte der Frauen in allen Bereichen des Lebens stärken und die Partnerschaft zwischen Frauen und Männern in Kirche und Gesellschaft fördern“ – und dies nicht nur in Wort, sondern auch in Tat.
8. In der Nachfolge Christi stehen wir in Solidarität mit allen jenen, die leiden aufgrund von Armut, Krieg und anderen Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems. Wir erkennen, dass dies bedeutet, dass viele unter uns Privilegien aufgeben und teilen müssen.
9. Wir sind dankbar für die Frauen des Schweizer Forums, für ihre hervorragende Gastfreundschaft und die vielen Beiträge, die sie zur VII. Generalversammlung des ÖFCFE geleistet haben. Wir gratulieren ihnen zum 20-jährigen Bestehen ihrer Organisation. In Dankbarkeit anerkennen wir auch die großzügige Unterstützung, die die Gemeinschaft der kleinsten Münze dem Forum und vielen seiner Projekte über die Jahre hinweg gewährt hat. Wir bitten um Gottes Segen für unsere Schwestern in dieser weltweiten Gebetsbewegung, wenn sie nun ihr goldenes Jubiläum feiern.
Wir verpflichten uns, an all diesen Fragen in den kommenden Jahren zu arbeiten und wollen dies mit dem Gebet begleiten:
Gott der Hoffnung
Gott des Lachens und des Scherzes
Sende uns aus mit Freuden
Gott des Mitleidens
Gott der Versöhnung
Führe uns weiter in Frieden
Um deine neue Schöpfung zu leben und zu teilen.
Murten, 26. August 2006
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