|
Wir sind Bürgerinnen Europas! Grenzen überschreiten – Unterschiede respektieren
Am 21. August sprach bei der Eröffnung der Generalversammlung in Murten, die Ehrenpräsidentin, eine der Gründerinnen des Forums, Ruth Epting, von ihrer Besorgnis über die heutigen turbulenten Zeiten. Das Forum wurde vor 24 Jahren gegründet, also nach dem 2. Weltkrieg aber mitten im Kalten Krieg. “Heute sind wieder neue Kräfte am Werk, Kräfte, die uns in die Verzweiflung treiben können”. Wir werden uns in den nächsten Tagen mit diesen Kräften auseinandersetzen.” Führen wird uns das Wort des Propheten Isaiah “ Voll Freude werdet ihr ausziehen, und in Frieden werdet ihr geleitet.”.
Obwohl die Ordination von Frauen im Forum kein aktuelles Thema ist, wurde diese Frage in den ermutigenden Begrüßungen und in der Eröffnungsansprache angeschnitten. Die klare Frage war, warum Frauen in Kirche und Gesellschaft diskriminiert werden. Frau Rosmarie Zapfl-Helbling, Mitglied des schweizerischen Parlaments sprach über die Menschenrechte der Frauen in Kirche und Gesellschaft. Frauen, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen geraten oft in Lebensgefahr, so wie die Frauen in Schwarz. Und immer noch warten sie auf den Nobelpreis.
Frau Zapfl-Helbling bemerkte dass Frauen und Menschenrechte eigentlich ein Paradox sind, weil Frauen oft nicht als Mensch gesehen werden, wenn man sich ihre Diskriminierung anschaut. Männer verneinen dies, aber sie können sich in die Situation vieler Frauen hineinversetzen, die das täglich in Kirche und Gesellschaft erleben. Wenn Jesus nur als Mann anstatt als Mensch (und Gott) gesehen wird, werden Frauen ausgeschlossen. In diesem Kontext ist die Frage vieler Frauen verständlich, ob sie weniger geachtet sind als ein Mann und ihnen deshalb die Teilhabe in den Entscheidungsgremien verwehrt ist.
Mit Blick auf verschiedene Kulturen müssen wir im Rahmen der Toleranz Menschenrechtsverletzungen gegenüber Frauen nicht hinnehmen. Kultur kann auch missbraucht werden als Deckmantel für Machtmissbrauch gegenüber Frauen wie z.B. die Beschneidung junger Mädchen. “In einem demokratischen Staat muss das Recht auf Verschiedenheit garantiert werden – aber nicht das Recht zu Unterschiedlichkeit” schloss NR Rosmarie Zapfl.
Oekumenische Grussworte der verschiedenen Kirchen und Konfessionen: Bischof Dr. Patrick Streiff, Methodistische Kirche erinnerte daran, dass die methodistische Bewegung bereits in 1880 die erste Frau ordinierte und in diesem Jahr die erste Bischöfin gewählt hat. Frau Marian Bach überbrachte die Grüsse des Frauen-Netzwerks der evangelischen-methodistischen Kirche.
Der Bischof der christ-katholischen Kirche der Schweiz, Fritz René Müller aus Bern, betonte wie sehr er die Mitverantwortung und die Kompetenz der Frauen in der Kirche schätze. “Ich bin besonders stolz darauf wie gerade Frauen immer wieder der Kirche neue Impulse geben. Ich freue mich darüber, dass Anne-Marie Kaufmann-Konrad, die in dieser Generalversammlung mitarbeitet, im letzten Juni als erste Frau in unserer Kirche ordiniert wurde”.
Ruedi Heinzer, Präsident der Arbeitgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz, warnte in seiner Botschaft vor dem zunehmenden Fundamentalismus und männlicher Dominanz, der sowohl im Islam wie auch im Christentum die Frauenrechte gefährdet.
Generalsekretär Ven. Colin Williams (Konferenz Europäischer Kirchen) meinte dass Gendermainstreaming eine Einbindung der Frauen in die Aktivitäten und Entscheidungen in der Kirche ermöglichen kann. Er dankte dem Forum für seinen Einsatz, im Rahmen der Fussball-Weltmeisterchaft, das Problem des Frauenhandels ins allgemeine Bewusstsein gerufen zu haben. Colin Williams betonte auch, dass die Konferenz Europäischer Kirchen daran arbeitet, dass die kirchlichen Delegationen bei der 3. Europäischen Oekumenischen Versammlung in Sibiu, Rumänien, September 2007, ein Anteil von 40 % Frauen hat.
Bischof Kurt Koch erinnerte in seiner Botschaft daran, dass Europa der Ort schmerzlicher Glaubensspaltungen war, die in hohem Masse die Nationen und Europa belastet haben. Deshalb sei für Europa lebenswichtig, ein Ort zu sein, wo sich die Einheit der Christenheit in den Kirchen festigt. Hiezu hat das Forum eine bedeutende Rolle.
Bibelarbeiten in drei Sprachen über das Thema “Voll Freuden werdet ihr ausziehen und in Frieden werdet ihr geleitet” wurden gehalten von Dr. Evanthia Adamtziloglou (Griechisch-orthodox), Hélène Küng, (reformiert,) Dr. Regula Grünenfelder (röm.-kath.) und Pfarrerin Anne-Marie Kaufmann-Konrad, alt-katholisch.
Am 23. August 2006 wurde das Thema der Minderheiten und Einwanderer eingehend untersucht. Ist es möglich in Opposition zu treten gegen Gewalt und Diskriminierung?
Dr. Ruth-Gaby Vermot-Mangold, MP, Präsidentin der Friedens Frauen Weltweit beschrieb die Gräueltaten, die Minderheiten an vielen Orten erfahren. Sie erzählte, dass die Rechte von Minderheiten wie den Sinti und Roma leicht missachtet werden, weil sie keine Stimme, kein Plattform haben, wo sie über ihre schlimme Lage berichten können. Sie werden nur beachtet, wenn etwas Dramatisches wie die Bombardierungen im Kosovo passiert. Menschen beachten Minderheiten ebenfalls, wenn ihr persönliches Leben davon betroffen wird, so zum Bespiel, wenn Wellen von Asylsuchenden in ihr Land kommen.
Im Kosovokrieg 1990 bekamen die Roma weder Unterstützung von Einheimischen noch von den UN-Friedenstruppen (KFOR). „Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die Roma von den internationalen Helfern ignoriert wurden“, sagte Dr. Vermot-Mangold.
In Grozny, Tschetschenien, geht der Wiederaufbau langsam voran, aber Korruption ist hoch.Die Arbeitslosenrate liegt bei 70%, die Umwelt ist stark verschmutzt und viele Babys kommen deformiert zur Welt.Die Menschen leben in Angst vor Räubern, Mördern und Kidnappern. Über 300 Menschen werden vermisst. Manche Menschenrechtsorganisationen versuchen, die Russische Armee vor Gericht zu stellen. Jedoch enden diese Fälle nie vor Gericht und viele Familienangehörige der Opfer enden misshandelt oder sie verschwinden.
Was können wir also tun? „ Übernimm Verantwortung, sei nicht still! Wir brauchen Informationen, Netzwerke und Wissen. Unterwerfung ist immer politisch und macht gebunden. Niemand gibt seine eigene Macht weg. Machtmissbrauch muss abgeschafft werden“, mahnte Dr. Vermont- Mangold.
Kathy Galloway von der Iona Kommunität verglich die zwei biblischen Geschichten von Ruth (Buch Ruth, AT) und der Kanaaneischen Frau (Mt 15). Beide Frauen waren Bittstellerinnen, die Unterstützung/Beistand brauchten um zu überleben. Die moabitsche Frau Ruth war in der ungeschützten Position einer Fremden in Israel. Sie setzte ihre Hoffnungen in einen Mann, der ihr möglicherweise helfen konnte. Die Geschichte hat einen glücklichen Ausgang: Der Mann, Boas, heiratet sie. Die Kanaaneische Frau ist ebenso eine Fremde, verachtet und alleine mit ihrer kranken Tochter. Sie besteht darauf, dass Jesus ihre Tochter heilt. Jesus zögert, aber die Frau ist entschlossen: Jesus muss sie heilen, egal ob sie eine Israelitin ist, oder nicht. Jesus erkennt, dass ER auch für die Völker/ die nicht-jüdische Bevölkerung gesendet wurde und heilt das Mädchen. „Ruth wurde integriert; die Kanaaneische Frau wurde in ihren Unterschieden bestätigt. Wir sind vertraut mit diesen Strategien in Europa“, folgerte Galloway. Die heutigen „Moabiter“ und „Kanaaniter“ sind die Immigranten, die als Bittsteller kommen, um zu empfangen und akzeptiert zu werden. Sind wir fähig, unsere unterbewussten Ängste und unsere Verletzbarkeit beiseite zu legen und ihnen anzubieten, was wir gerne erhalten würden, wenn wir an ihrer Stelle wären?, fragte Kathy Galloway.
In den Workshops wurden viele Themen, von den Menschenrechten über Migration und Frauenhandel, bis hin zu bioethischen Fragen und Spiritualität diskutiert und studiert. In der Gruppe zu den Menschenrechten, geleitet von Frau Sandra Tückmantel von Amnesty International, wurde vor allem über Gewalt an Frauen in der Familie, sprich häusliche Gewalt, diskutiert. Wir sind scheinheilig, wenn wir mit dem Finger auf andere kulturelle und religiöse Gruppen zeigen und vergessen, dass in unseren christlichen Häusern Gewalt und Unterwerfung genauso oft geschieht wie ein ihren. Wir müssen Frauen ermutigen, mehr Selbstbewusstsein zu haben und aufzustehen um gegen diese Art von Missbrauch und Misshandlung vorzugehen in ihrem Leben und in dem Leben ihrer Töchter.
Fellowship of the least coin
Bei der 7. Generalversammlung des EFECW wurde auch der 50.Jahrestag des “Fellowship of the least coin “ gefeiert. Die Vizepräsidentin des FLC Frau Jill King berichtete dabei, dass das EFECW als europäische Vertretung des FCL eine wichtige Rolle hat.
Ferner wurde auch das Leitungsgremium gewählt wobei die Regionen und die verschiedenen christlichen Religionen in Europa beachtet werden sollten. Es wurden gewählt: Johanna Friedlein Lutheranerin aus Deutschland. Nata Hovorkova Baptistin aus der Slowakei, Anne Lagerstedt Lutheranerin aus Finnland, Sylvia Nercessian von der armenischen Kirche in Griechenland und Marina Trema von der orthodoxen Kirche in Estland.
Superfrau gesucht?
Brauchen Frauen einen weiblichen Karl den Grossen welche Europa vereint in Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung? Dies und vieles mehr wurde diskutiert bei einem “Round table” unter dem Thema: Bürgerinnen in Europa - wo sind die Grenzen der Demokratie?.
Frau Irene Gysel Nef, Redakteurin beim Schweizer Fernsehen moderierte die Diskussion zwischen der Theologin Frau Li Hangartner , Frau Roth-Bernasconi, Co-Präsidentin der soziallistischen Frauen der Schweiz , Dr. Hella Hoppe vom EPS Institut für Theologie und Ethik und Frau Christina Neff vom Schweizer Umweltamt.
Frauenrechte sind Menschenrechte- nichts weniger! Frauen müssen sich vereinen um mit Kraft ihre Macht in Politik, Wirtschaft u. Kirchen in den Tagesentscheidungen einbringen, unser Gewissen muss geschärft werden für Umweltfragen. Europa is bestimmt nicht perfekt, aber es hat andern Kontinenten viel zu geben z.B.” Gerechtigkeit und Frieden “zu bewahren.
Am Donnerstag erlebten die Frauen der Generalversammlung ein hervorragendes Konzert in der Deutschen Kirche in Murten. Die Sopranistin Marjatta Viirto von Finnland und auch die Schatzmeisterin des Forums, führte zusammen mit der Organistin Susanne Rüfenacht Werke verschiedener christlicher Traditionen auf .Es war ein Benefizkonzert zugunsten des “Ruth Epting Fonds”, welches Teilnehmerinnen der Versammlung Beihilfen gewährt.
Am Samstag sagte Dr. Veronika Prüller-Jagenteufel aus Österreich in ihrem Hauptreferat Grenzüberschreitungen wagen – Unterschiede respektieren, dass Grenzen nicht nur trennend wirken, sondern auch Raum schaffen, um Aufmerksamkeit und Anerkennung fragen und Bewegung ermöglichen. In der Plenarsitzung wurden die neuen Richtlinien 2006-2010, die Schlussbotschaft und die Beschlüsse der Vollversammlung verabschiedet.
Anne Lagerstedt
Übersetzungs: Melanie Sinram, Melanie Grauer und Erika Stöffler
home
|