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Botschaft der 8. Generalversammlung des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa - ÖFCFE
Loccum, 23. - 29. August 2010
Teilhabe und Verantwortung – Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben
166 Frauen aus 27 europäischen Ländern mit unterschiedlichem nationalen und konfessionellen Hintergrund und aus allen Altersstufen und verschiedenem Lebensumfeld haben sich in der Evangelischen Akademie Loccum, Deutschland, vom 23.-29. August 2010 zur 8. Versammlung des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa getroffen.
Das ÖFCFE hat sich besonders darum bemüht, dass junge Frauen an dieser Versammlung teilnehmen konnten. Damit hat es einen Generationenwechsel in Gang gesetzt, und erste Schritte zu einer neuen Phase der ökumenischen Zusammenarbeit und der Stärkung der Gemeinschaft unter Frauen in Europa unternommen. Die jungen Frauen haben diese Gelegenheit ergriffen und eine aktive Rolle in der Versammlung gespielt.
Wir sind dem deutschen Zweig des Forums außerordentlich dankbar für die hervorragende Vorbereitung auf lokaler Ebene und für das herzliche Willkommen. Ebenso danken wir der Akademie Loccum, dass sie Personal, Gastfreundschaft und Hilfen in verschiedener Form gewährt hat.
Der Kontext, der „Kairos“
Wir haben uns zu einer Zeit getroffen, wo viele europäische Länder immer noch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie von den Restrukturierungsmaßnahmen danach betroffen sind. Noch immer leiden die schwächeren Teile der Gesellschaft unter starken Einschnitten bei Beschäftigung, Einkommen und sozialer Sicherheit, während Prozesse der Bereicherung unvermindert weitergehen und so bestehende Ungleichheiten vertiefen wie auch den sozialen Zusammenhalt zerstören. Diese Entwicklungen haben Frauen stärker getroffen und drohen das Erreichte aus vergangenen Jahrzehnten zunichte zu machen. Dieser Augenblick der Krise kann jedoch auch eine Gelegenheit zum Nachdenken sein, welche Zukunft der wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Gerechtigkeit wir als Frauen für uns selbst und für andere Gesellschaften wünschen.
Teilhabe
Das Charisma von ÖFCFE besteht in seinem Engagement, Brücken zwischen Frauen in Europa zu bauen und alte Vorbehalte zu überwinden, die immer noch im persönlichen und kollektiven Gedächtnis fortbestehen. Das Forum hat dies von Anfang an getan und seine besondere Aufmerksamkeit darauf gerichtet, Frauen aus allen Teilen Europas zusammenzubringen, aufkommende Sachverhalte von europäischer Bedeutung aus Frauenperspektive zu betrachten und auf den Kairos des Augenblicks zu antworten. Wir bleiben unserm Ziel verpflichtet, auf eine christliche und europäische Identität von Frauen hinzuarbeiten, dies zusammen mit Frauen anderer Glaubensrichtungen zu tun und uns einzusetzen für ein Europa der Gerechtigkeit, Gleichheit und des friedlichen Zusammenlebens aller Bürgerinnen und Bürger.
Gerechtigkeit und Gleichheit
Gerechtigkeit und Gleichheit gehören zusammen. Keine Gerechtigkeit ohne Gleichheit der Geschlechter. Gleichheit ist in den europäischen Ländern immer noch nicht hergestellt, obgleich die EU und andere europäische Institutionen viele entscheidende Impulse bereits geschaffen haben und dies weiter tun (wir verweisen auf die Arbeit des Ausschusses für Frauenrechte und Geschlechtergleichheit).
Trotz aller Bemühungen gibt es immer noch keinen gleichen Lohn für gleiche Arbeit; es gibt immer noch kein einheitliches europäisches Recht bezüglich Gewalt an Frauen; Frauen haben immer noch ein höheres Risiko, arm zu werden, besonders wenn es sich um Alleinerziehende handelt; Frauen arbeiten immer noch in prekären Beschäftigungsverhältnissen mit wenig Sicherheit, niedrigem Lohn und weniger Aufstiegschancen als Männer, und schließlich ist die Arbeitslosigkeit unter Frauen immer noch größer.
Moderne Marktwirtschaften basieren sich immer noch auf der Annahme, dass es sich bei den Menschen um unabhängige männliche Erwachsene handelt. Aber wir kommen in diese Welt und verlassen sie oft als hilflose Kreaturen, die von der Fürsorge und Solidarität anderer abhängen. Neue Bemühungen sind notwendig, um den weiterhin bestehenden Dualismus zwischen den Menschen auf der einen und der Marktgestaltung auf der anderen Seite zu überwinden, um menschliche Bedürfnisse in den Mittelpunkt unserer wirtschaftlichen Aktivitäten zu stellen und die Wirtschaft im Lichte der Frage neu zu definieren, wie man die Bedürfnisse aller Menschen befriedigen kann. Der Markt ist ein nützliches Werkzeug, aber nicht Mittelpunkt der Wirtschaft.
Übernahme von Verantwortung
Sich für Menschen- und Frauenmenschenrechte einzusetzen kann einen hohen Preis haben. Die Vollversammlung ehrte das Andenken von sechs russischen Frauen, unter ihnen Anna Politkovskaja, die für ihr Einstehen für Menschenrechte und ihre Zivilcourage bestraft wurden oder sogar mit ihrem Leben bezahlten. Verantwortung übernehmen ist der christliche Weg des "Daseins für andere", wie Dietrich Bonhoeffer und Mutter Maria Skobtsova gezeigt haben. Es ist in jeder Situation möglich.
In dem Verständnis, dass all unsere Bemühungen darauf abzielen, Frieden in Gerechtigkeit zu schaffen, empfehlen wir dem Forum, unsere Verantwortung als christliche europäische Frauen auf folgenden Gebieten zu verwirklichen:
Gemeinschaftsbildende Aktivitäten, Netzwerke und Dialog
Interreligiöser und interkultureller Dialog
Geschlechtergleichheit in Kirche und Gesellschaft
Eingliederung jüngerer Frauen ins Leben und in die Arbeit des Forums
Zu diesem Zweck sollte das Forum :
- Die Netzwerke des Forums stärken, besonders in den Mittelmeerländern
- Programmatische Ausschüsse/Arbeitsgruppen bilden, die Überlegungen zu bestimmten Themen anstellen und erarbeiten:
- Theologie und Liturgie
- Ökologie und Ökonomie
- Interreligiöser und interkultureller Dialog
- Die ökologischen Richtlinien und „gender budgeting" so weit wie möglich auf allen Ebenen des Forums benutzen
- Eine ad-hoc Arbeitsgruppe errichten, um die größere Beteiligung und Einbeziehung junger Frauen in Gang zu bringen
- Die Kooperationsvereinbarung mit EPIL (Europäisches Projekt für interreligiöses Lernen) fortführen und stärken
- Bei Themen von gleichem Interesse mit anderen Organisationen wenn nötig zusammenarbeiten. Dazu gehören u.a.: Andante (Europäische Allianz katholischer Frauenverbände); KEK (Konferenz europäischer Kirchen), und hier besonders KKG (Kommission Kirche und Gesellschaft); CCME (Kommission der Kirchen für Migranten in Europa); ECEN (Europäisches christliches Netzwerk für Umwelt); ESWTR (Europäische Gesellschaft für theologische Forschung von Frauen); EWFN (European Women of Faith Network ); EFL (Europäische Frauenlobby); ÖJE (Europäischer ökumenischer Jugendrat); FLC (Fellowship of the Least Coin); IKETH (Interreligiöse Konferenz europäischer Theologinnen); UN (Netzwerk für) Resolution 1325 ; ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen); WGT (Weltgebetstag), u.a. .
- Seminare und Kurse organisieren – wenn nötig, besonders Ausbildung für Leitungsaufgaben auf dem Gebiet der EU Politik
- Die Nutzung des Internet und der sozialen Medien verbreiten
Visionen für das Forum
Vision ist eine Aufgabe der Gemeinschaft. Hier einige Stimmen aus verschiedenen Teilen Europas:
„…das Forum bietet Gelegenheit, unseren eigenen Weg des Teilens und der Kooperation zu finden und die große Hoffnung, dass diese Kooperation wesentlich dazu beitragen wird, unsere ökumenische Situation zu verbessern…“
„…das Forum funktioniert als Netzwerk und ermöglicht so Treffen und Dialog und manchmal auch gemeinsame Aktionen unter Frauen … und wegen unserer gemeinsamen Praxis stellt es sicher, dass ungelöste theologische Fragen unsere Trennung nicht vergrößern …“
„… ich habe für das Forum die Vision, dass es den Weg bereiten wird hin zu einer post-patriarchalen Ordnung in Kirche und Gesellschaft …“
„Es ist nach wie vor wichtig, Brücken zu bauen ..“
Eine Stimme aus Asien erinnerte uns daran, dass wir im Verbund mit Frauenorganisationen in anderen Kontinenten Themen ansprechen sollen, die uns alle angehen, wie Zwangsarbeit, Frauen- und Kinderhandel, Klimagerechtigkeit und Kampf gegen Gewalt.
Diese verschiedenen Stimmen zeigen, dass das Forum den Weg in die Zukunft weist. Die aktive Teilnahme junger Frauen an der Versammlung drückt die starke Hoffnung aus, die von vielen Frauen aller Altersstufen geteilt wird, dass das Forum jetzt nach fast 30-jährigem Bestehen immer noch eine machtvolle Stimme christlicher Frauen in Europa ist und offen für neue Herausforderungen und unverbrauchte Einsichten.
“Auf dem Weg der Gerechtigkeit ist Leben“
Den Weg der Gerechtigkeit zu gehen, ist selten leicht. Wir betreten einen spirituellen Pfad, der von uns verlangt, egozentrische Interessen aufzugeben und wahrhaft demütig zu werden - nicht devot oder unterwürfig, sondern stark und demütig. Ein schwieriger Weg. Aber er bietet uns die unvergleichliche Chance eines wahren Lebens.
Loccum, 28. August 2010